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Thursday, February 6, 2014

Es ist wie es ist...

Der Gedanke daran trieb mir schon Wochen vorher den Angstschweiß auf die Stirn, aber wie bei so vielen Dingen macht man sich im Vorfeld unzählige Gedanken, um dann festzustellen, dass sich im Grunde genommen nichts ändert und das Leben noch genauso anfühlt wie vorher. Außerdem kannte ich ja genügend Menschen, die es schon hinter sich hatten und zumindest dem Anschein nach keinen Schaden davon getragen hatten. An besagtem Tag wird immer der amerikanische Präsident in sein Amt eingeführt, aber da sich der Inhaber in der zweiten Amtszeit befinden, fiel dieses Ereignis flach und ich konnte mich ganz auf mich und diese monumentale Zahl konzentrieren: 50 – ein halbes Jahrhundert, 5 Jahrzehnte, 18250 Tage, 438000 Stunden, 26280000 Minuten…OK, man muss es nicht übertreiben! Es ist letztendlich nur ein Geburtstag. Das Fatale dabei ist, dass man sich noch gar nicht so alt fühlt wie man biologisch geworden ist. Als ob nur die äußere Hülle gealtert sei, aber der Kopf jung und fidel kurz nach der Pubertät stecken geblieben ist.

Ich beschloss meinen Geburtstag im Rahmen meiner Möglichkeiten zu ignorieren und die Zahl erst einmal in seiner ganzen Wucht auf mich wirken zu lassen. An Feiern war selbstredend nicht zu denken. Ich stellte mir die Zahl als römische Ziffer vor: L – das wirkte gleich viel weniger bedrohlich. Und wenn man die horizontale und die vertikale Linie gedanklich mit Pfeiltasten versieht, wirkt der Buchstabe sogar richtig dynamisch. Da ist Bewegung zu drin, da geht noch was! Überhaupt sollten Latein und die philosophischen Strömungen in jener Zeit eine viel größere Rolle in unserem Leben spielen. Damals hatte man noch Zeit, um sich über die wesentlichen Dinge des Lebens Gedanken zu machen. In meiner Erinnerung waren diese Exkurse die Highlights des sonst eher drögen Lateinunterrichts gewesen, deren Impulse selbst zu pubertierenden Teenagern durchdrangen und zwar nachhaltig, indem man überlegte, ob mal lieber als Stoiker oder als Hedonist durchs Leben wandeln wollte.

Auf jeden Fall scheint die Zahl 50 eine magische Wirkung zu entfalten, indem sie lang gehegte Lebensträume in Erinnerung ruft. So höre ich mit Erstaunen von nicht unbedingt altersgerechten Plänen einer Kilimandscharo-Besteigung, einer Tour durch diverse Höhencamps im Himalaya und vom Vorhaben den Westcoast Trail zu bezwingen. Und erst kürzlich schreckte ich eine Freundin einige Tage vor ihrem 50. in der Atacama-Wüste in Chile auf, als ich eigentlich nur wissen wollte, ob sie denn für ihren baldigen Geburtstag moralisch gerüstet sei. Angeblich hatte sie mir von ihrem Vorhaben einige Wochen zuvor berichtet, aber bei mir sind ja mittlerweile Geheimnisse in den besten Händen, da ich spätestens am nächsten Tag wieder alles vergessen habe, was mir ans Ohr gedrungen ist. Durch diese ungewöhnlichen Vorhaben inspiriert, beschließe ich, dass es nun auch Zeit ist, meinen Wunsch zu erfüllen: den Jakobsweg von Pamplona nach Santiago de Compostela mit dem Mountainbike zu pilgern. Dieses Vorhaben umtreibt mich schon lange bevor Hape Kerkerling dann mal weg war, aber irgendwie fehlte immer die Zeit zur intensiven Vorbereitung und Umsetzung dieses spannenden Projekts. Jetzt scheint der richtige Zeitpunkt gekommen zu sein und ich nehme mir vor sofort mit dem Training zu beginnen, denn die Radstrecken kreuz und quer durch die Pyrenäen sind kein Zuckerschlecken und ich bin ja jetzt auch nicht mehr die Jüngste!


Ein anderer Traum lässt sich kurzfristiger realisieren – einen Blog über meine Lebenserfahrungen als Babyboomer zu starten und in regelmäßigen Abständen aus meinem bewegten Leben zu berichten. Diese Idee kam mir, als ich vor einigen Jahren entzückt das Buch „Liegen lernen“ von Frank Goosen las und dachte, eine weibliche Perspektive auf seine Sicht dieser Dinge könnte nicht schaden! J

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